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Erlebnispfad Pulheimer Bach

Erzählstation Wasserturm

Koordinaten: 50°58'19.24''N 6°44'33.25'' E

Höhe 117 m ü. d. Meer

 

Wovon erzählt dieser Ort?

Vom technischen Bauwerk zur Wasserversorgung.

Vom Rhein, der mal hier war.

 

: wasserversorgung

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Aufnahme vom 7. Juli 2008

Der achteckige, 22 Meter hohe Wasserturm von Glessen überragt das Ortsbild von Glessen. Er wurde 1937/38 zur Trinkwasserversorgung fertiggestellt und bildet seitdem eine weithin sichtbare Landmarke. Er speichert rund 255 Kubikmeter Wasser, das er über zwei Versorgungsleitungen vom Pumpwerk Niederaußem erhält. Als historisch bedeutendes Gebäude wurder der Glessener Wasserturm im September 2010 unter Denkmalschutz gestellt.

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Blick ins Innere des Wasserturmes. Aufnahme vom 20. Oktober 2008

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Aufnahme vom 29. Mai 2009

Vom Glessener Wasserturm hat man einen weiten Blick auf die Glessener Höhe im Südwesten, auf die Braunkohlekraftwerke am Westrand der Ville sowie auf Düsseldorf und die Kölner Bucht. Um den Dom zu sehen, muss man aber ein Stück weit nach Nordwesten laufen, da mittlerweile der Ort bis an den Villerand herauf gewachsen ist.

Ein Panoramabild finden Sie hier:



Weitere Bilder finden Sie unter:


 

 

 

 

 

Der Wasserturm wird spätestens Ende 2013 für die Wasserversorgung nicht mehr benötigt. Im Oktober 2012 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten für eine Druckerhöhungsanlage mit zwei jeweils 300 Kubikmeter fassenden Behältern begonnen, die ihn ersetzen werden.

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Ausschachtungsarbeiten für den Bau einer Druckerhöhungsanlage im Oktober 2012. Aufnahme Heiko Möller.

 

: erbschaften des rheines

Durch die Ausschachtungsarbeiten war unter einer mehrere Meter mächtigen Lößauflage ein Blick in Ablagerungen des Rheines möglich. Sie stammen aus der sogenannten Hauptterrassenzeit, die einen Zeitabschnitt von etwa 1 Million bis 600.000 Jahren vor heute umfasst.

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Damals überschüttete der Rhein die Niederrheinische Bucht in voller Breite. Sein Schwemmland war in der Höhe von Düsseldorf rund 60 Kilometer breit.

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Blick von Westen über die Villehochfläche (ehemalige Schwemmlandebene des Rheines) auf den Glessener Wasserturm. Aufnahme vom 7. November 2008

Die heutige Villehochfläche war Teil des Schwemmlandes und ist deshalb mit Ausnahme zahlreicher flacher Materialentnahmegruben nahezu eben. Sie wurde ab etwa 600.000 Jahren vor heute als Teil der Kölner Scholle relativ zur westlichen Niederrheinischen Bucht gehoben. Die Sande und Kiese des Rheines liegen deshalb 40 Meter und mehr höher als altersgleiche Ablagerungen westlich der Erft. Jenseits der Kölner Bucht dagegen, am Rand des Bergischen Landes, liegen sie etwa in derselben Höhe.

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Rheinterrassen in der Kölner Bucht (zwischen Ville und Bergischem Lande)

Während der Westen der Niederrheinischen Bucht vom Rhein ab 600.000 Jahre vor heute nicht mehr erreicht werden konnte, arbeitete der Fluss in den sich hebenden Teil zwischen Ville und Bergischem Land, der Kölner Bucht, seine jüngeren Flussterrassen ein. Sie sind Thema der Erzählstation 13 auf dem Wassererlebnispfad Pulheimer Bach.

Nur wenige Wochen waren die Rheinkiese in der Baugrube zu sehen. Sie liegen unter mehrere Metern Löß, einem Staubsediment, das zum Höhepunkt der letzten Kaltzeit, also vor lediglich etwa 20.000 Jahren vom Wind von Westen herangetragen und in der damaligen Tundra von Gräsern und Kräutern „herausgekämmt“ wurde.

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Durch Eisenoxid verfestigte Rheinschotter der Hauptterrassenzeit. Aufnahme vom 11. Oktober 2009

An anderen Stellen der Villehochfläche jedoch, wo kein Löß die Kiese überlagert, werden sie bei der Feldarbeit hochgepflügt. Gelegentlich sind es durch Eisenoxide verfestigte Brocken, die aus verwitterten Partien der Kiese stammen.

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Quarzreiche Rheinkiese in aufgelassener Grube. Aufnahme vom 7. August 2010

Außerdem gibt es am Hang des Pulheimer Baches im Quellgebiet westlich vom Neuhof eine aufgelassene Kiesgrube, in der man noch die Schotter sehen und untersuchen kann. Es fällt auf, dass die Zusammensetzung anders ist als in jüngeren Rheinablagerungen. Der größte Teil der Gerölle wird von Quarzen und anderen gegen Verwitterung und mechanische Zerkleinerung sehr widerstandfähigen Gesteinen gebildet, während in den jüngeren Ablagerungen der Anteil an Sandsteinen, Grauwacken, Schiefern, Basalt und anderen nicht so „harten“ Gesteinen mit abnehmendem Alter zunimmt.

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Driftblöcke des Rheines vor den Gebäuden der Glessener Feuerwehr. Aufnahme vom 29. Mai 2009

In den von den Geowissenschaftlern in 4 eigenständige und unterschiedlich alte Sedimentkörper (HT I – IV) unterteilten Ablagerungen der Hauptterrassenzeit ist die sogenannte HT3 von besonderem Interesse. Hier findet man tonnenschwere Riesenblöcke, die sogenannten Driftblöcke. Viele davon liegen als Schmucksteine in Vorgärten, werden als Absperrungen benutzt oder dienen als Markierungspunkte am Wassererlebnispfad Pulheimer Bach. Sie kamen bei den Abgrabungen der Deckschichten über den Braunkohleflözen ans Tageslicht, stammen aus dem Sedimentkörper der HT 3 und sind sogenannte Klimaindikatoren, da es zu Transport und Ablagerung derart großer Blöcke besondere Bedingungen brauchte, die bei uns in Mitteleuropa nur in besonders kalten Abschnitten der Kaltzeiten des Eiszeitalters herrschten. Die Sommer waren kurz, den größeren Teil des Jahres herrschten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

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Permafrost auf Spitzbergen. Foto Späth (+)

Der Untergrund war permanent gefroren (Dauerfrostboden), lediglich die obersten Dezimeter tauten im Sommer auf. Die Flüsse waren im Winter oft bis auf den Grund durchgefroren. Mit dem Sommereinbruch wurde kurzfristig viel Schmelzwasser geliefert, die Flüsse schwollen an, rissen große Eisschollen mit sich. Dabei kam es immer wieder vor, dass große Gesteinsblöcke aus dem Untergrund herausgerissen und in Eisschollen abtransportiert, „verdriftet“ wurden. Solche Vorgänge kann man heute in den kontinentalen Tundrengebieten der Nordhalbkugel beobachten. Die Driftblöcke verraten uns also, dass zu der Zeit, als die HT3 gebildet wurde, bei uns ein vergleichbares Klima herrschte.

Auch in jüngeren Terrassenablagerungen finden sich Driftblöcke; in der HT3 jedoch erscheinen sie erstmalig.

Die häufigsten Gesteine, die man als Driftblöcke in der HT3 findet, sollen in einer Driftblockwiese am Abtsmühlenbach in Glessen gezeigt werden.


 

 

 

 

 

Weitere Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Driftblock

http://www.erlebnispfad-pulheimer-bach.de//download/Pulheim%20am%20alten%20Rhein.pdf

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