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Erlebnispfad Pulheimer Bach

Erzählstation Quellsumpf

Koordinaten: 50°57'47''N 6°44'39'' E

Höhe 93 m ü. d. Meer

 

Wovon erzählt dieser Ort?

Von der Herkunft des Quellwassers.

Vom Lebensraum Quellsumpf.

Von alten Fischteichen.

 

: herkunft des wassers

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Wasserkreislauf (Quelle: Poster Deutsche Umwelthilfe)

Im Wasserkreislauf der Erde liefern die Wolken Niederschläge, die entweder an der Oberfläche ab-fließen, verdunsten oder im Untergrund versickern und das Grundwasser bilden. In Quellen kommt das Wasser wieder an die Oberfläche und speist Bäche und Flüsse. Davor wurde es während des Versickerns von vielen Schadstoffen gereinigt. Quellaustritte sind häufig an das Auftreten von wasserstauenden Gesteinen gebunden, die Quellhorizonte bilden können. So auch am Pulheimer Bach.

 
: quellhorizont

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Am Entdeckerpfad bei Driftblock 3 zeitweise freigespülter wasserstauender Ton

Ton (Bild) unter Sand und Kies staut das einsickernde Wasser und bildet einen Quellhorizont.

Ton = Wasserstauer = Aquiklude

Sand und Kies = Wasserträger = Aquifer

 

: schichtquellen und zwischenabfluss

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Die meisten Quellen in Glessen sind an einen Quellhorizont (synonym: Stauhorizont) gebunden (Schichtquellen). Daneben gibt es nur zeitweise schüttende (synonym: intermittierende) Quellen, die durch den sogenannten Zwischenabfluss gespeist werden. Dieser tritt auf, wenn mehr Sickerwasser in den Boden eindringt als durch porenarme Bodenhorizonte passieren kann. Das Wasser drückt dann hangab an die Oberfläche und vereinigt sich mit dem Oberflächenabfluss. Der Vorgang dauert wenige Stunden bis Tage an und ist eine kurzfristige direkte Reaktion auf kräftige Niederschläge oder starke Schneeschmelze.

 

: quellschüttung

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An den offenen Quellen in der Liebesallee sickert Grundwasser aus dem Erdreich (Sickerquellen) und durchtränkt den Boden, ohne sofort ein Rinnsal zu bilden.

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Die kräftigeren Fließquellen sind in Glessen alle gefasst und führen ganzjährig (permanent) Wasser. Nur zeitweise (intermittierend) fließen dagegen einige Sickerquellen. Es ist schwer, diese Schichtquellen von Wasseraustritten durch den Zwischenabfluss zu unterscheiden.

 

: quellgebiet liebesallee

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Aufnahme vom 27. Januar 2010

Die vielen Quellen in der Liebesallee (Bild oben) kann man nur bei Dauerfrost und geschlossener Schneedecke gut erkennen. Durch das etwa 10° C warme Quellwasser taut der Schnee. Quellen und Rinnsale werden sichtbar (Bild oben).In den Wintern 2009/2010 und 2010/11 gab es eine Reihe von Eistagen (Lufttemperatur den ganzen Tag unter 0° C) mit Schneebedeckung. Das beim Austritt etwa 10° C warme Quellwasser (gemessen von der Bach-AG der GGS Sinthern-Geyen) taute den Schnee an, so dass im Quellsumpf Liebesallee eine Fülle kleiner Sickerquellen und Bächlein zu sehen waren.

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Aufnahme vom 15. Januar 2010

Diese Situation wurde genutzt, um die Quellen mit einem GPS-Gerät genau einzumessen.

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Luftbild des NSG mit eingemessenen Quellen

Kartiert wurden insgesamt über 60 Quellaustritte.

 

: lebensraum quellsumpf

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Die einzige naturnahe, weitgehend unversehrt gebliebene Quelle am Pulheimer Bach ist vor allem im Frühjahr von zerbrechlich anmutender Schönheit. Die sattgrünen Moospolster und die filigranen Wedel des Frauenfarn machen klar, dass die Sickerquelle eine direkte Begehung nicht verträgt.

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Das Milzkraut ist an das geringe Nährstoffangebot, das gleichbleibend warme Quellwasser und den Schatten der Bäume angepasst.

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Rotkehlchen am Quellaustritt

Die Quellen sind auch bei Frost und Schnee eine garantierte Tränke, da sie nicht einfrieren.

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Quellen gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen in Deutschland, die bereits durch kleinste Veränderungen gestört werden können. Sie stehen deshalb unter strengem Schutz. Am Entdeckerpfad bei Driftblock 1 kann man nach-vollziehen, wie sich das häufige Betreten auf die Sickerquelle, vor dem Einbau von Trittsteinen, ausgewirkt hat.

 

: menschenwerk teiche

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Früher speisten die Sickerquellen im Naturschutzgebiet Liebesallee drei Fischteiche (hellblau in der Karte von 1865), von denen nur der mittlere noch im 20. Jahrhundert existierte. Er wurde durch einen Damm geteilt und dadurch verkleinert.

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Der Restteich wirkt als Retentionsraum (Hochwasserschutz). Er hat schwankende Wassertiefe, ist von Schilfrohr gesäumt und im Sommer mit Wasserlinsen ("Entengrütze") bedeckt. Durch den kräftigen Bewuchs werden eingespülte Nährstoffe teilweise abgebaut. Abgestorbene Pflanzen werden am Teichgrund zersetzt.

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Durch die Zersetzungsprozesse entstehen Sumpfgase, die bei strengem Frost von Eis umschlossen werden. Aufsteigende Gasblasen können das ganze Jahr beobachtet werden.

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Der Teich dient auch als Sedimentfänger. Bei niedrigem Wasserstand werden die schlammigen Ablagerungen sichtbar, durch die sich zwei Bachläufe ziehen.

Der Teich und die versumpften Talgründe sind wertvolle, selten gewordene Feuchtbiotope und stehen deshalb unter strengem Schutz.

 

Offene Quellen und Quellsümpfe sind in Deutschland selten geworden.

Offene Quellen und Quellsümpfe sind besondere Lebensräume.

Offene Quellen und Quellsümpfe sind extrem anfällig gegen Störungen.

Offene Quellen und Quellsümpfe sind streng geschützt.

Offene Quellen und Quellsümpfe sollte man deshalb nicht betreten.

 

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