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Erlebnispfad Pulheimer Bach

Erzählstation Talfüllung

Koordinaten: 50°59'03'' N 6°47'20''

Höhe 58 m ü. NN

Auf dieser Karte ist die Stelle markiert, an der Sie die erste Erzählstation des Pulheimer Baches betrachten können.

 

: wasser als Landschaftsgestalter

Zur Einweihung des ersten im Rahmen der Regionale2010 renaturierten Abschnittes des Pulheimer Baches wurde ein Maßstab aufgestellt, der mit seiner Höhe von 6 Metern demonstriert, in welchem Ausmaß der Pulheimer Bach sein Tal in historischer Zeit verfüllt hat.

 

: folgen von Eingriffen des Menschen in den Naturhaushalt

: talfüllung unter dem heutigen Bach

Bei Ausschachtungsarbeiten zum Bau einer Versorgungsleitung (WINGAS) wurde 1999/2000 in fast 6 Meter Tiefe das eisenzeitliche Bachbett gefunden. 4,5 Meter unter Geländeoberkante lag römerzeitlicher Kulturschutt. Die 6 Meter Sediment müssen deshalb in den letzten rund 2 500 Jahren abgelagert worden sein (Beginn der Eisenzeit etwa 2800 Jahre vor heute). 
Aktuelle Forschungsergebnisse inklusive pdf finden sich hier .


Historische Ablagerungen des Pulheimer Baches (Bearbeitung: Heike Baumewerd-Schmidt M.A.)

 

: was ist geschehen?


Spülrillen nahe der Grabenmeisterei (rechts), Aufnahme vom 3. Juni 2008

Immer wieder kann man feststellen, dass auf Ackerflächen schon bei mittleren Gewittern nicht der gesamte Niederschlag im Boden versickert. Wasser fließt an der Oberfläche ab und nimmt Bodenmaterial mit, bis hin zur Bildung von Erosionsrinnen (siehe oben). Bodenmaterial aus Löß, einem kaltzeitlichen Staubsediment, das die Flächen und Hänge am Pulheimer Bach überzieht, ist besonders anfällig gegen solche Abspülungsprozesse.


Schwemmfächer zwischen Geyen und Pulheim, Aufnahme vom 3. Juni 2008

Bei abnehmendem Gefälle wird das mitgeführte Bodenmaterial wieder abgelagert und bildet kleine Schwemmfächer, wie im oberen Teil des Bildes zu sehen ist. Im unteren Teil des Bildes zeigen die Rippelmarken, dass sich der Hauptstrom des Wassers am Hangfuß von links nach rechts bewegte.

Es sind keine katastrophalen Ereignisse, aber sie wiederholen sich über die Jahrhunderte in allen Flusseinzugsgebieten mit ackerbaulicher Nutzung.

Bodenabtrag von Ackerflächen am Hang und Ablagerung des Materials im Tal führen über die Zeit zu mächtigen Verfüllungen.

 

: was kann man dagegen tun?

Eine Nutzung der Flächen mit Wiese oder Wald reduziert die Abtragung beträchtlich. Wenn das nicht möglich ist, sollte man unbedingt

  • nicht im Gefälle pflügen und anpflanzen, sondern möglichst im rechten Winkel dazu (isohypsenparallel)

  • den vegetationsfreien Boden durch aufgebrachtes organisches Material (Mulchmaterial) vor Tropfenaufprall und Abspülung schützen

 

: wie kommt es zu Oberflächenabfluss?

Es muss mehr Regen fallen als verdunstet oder versickert.

Wasser kann unter folgenden Bedingungen nicht versickern:

  • Wenn die Oberfläche versiegelt ist. Eine teilweise Versiegelung von Oberflächen kann schon durch Verdichtung eines Bodens beim Befahren (zum Beispiel Traktorspuren) erfolgen. Die Fähigkeit des Bodens, Wasser aufzunehmen (die Infiltrationskapazität) wird dadurch verringert. Oberflächenabfluss tritt schneller ein als auf nicht verdichteten Flächen.
  • Wenn in den Boden weniger Wasser eindringen kann als in derselben Zeit an Regen fällt. Mit anderen Worten: die Infiltrationsrate ist geringer als die Niederschlagsmenge pro Zeiteinheit. Der daraus resultierende Oberflächenabfluss wird auch als Horton-Abfluss bezeichnet, nach dem US-amerikanischen Wissenschaftler Robert E. Horton, der in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts umfangreiche Feldversuche durchgeführt hat.
  • Wenn die Bodenporen mit Wasser gefüllt sind, so dass der Boden kein weiteres Wasser mehr aufnehmen kann. Der dann erfolgende Abfluss wird als Sättigungsabfluss bezeichnet.

Häufig spielen alle drei Möglichkeiten ineinander, wenn es zu Oberflächenabfluss auf Feldern kommt.

 

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